Gesundheitsförderung für Mitarbeitende
#Anwendungsbereich: Mitarbeitende | #Nachhaltigkeitsdimension: sozial, ökonomisch | #strategische Einordnung: niedrigschwellig/kurzfristig
Worum geht‘s?
- Ohne gesunde Mitarbeitende können Unternehmen nicht nachhaltig erfolgreich sein. Unterstützen Sie Ihre Mitarbeitenden durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung mit Angeboten in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Ergonomie, Stressbewältigung, Umgang mit psychischen Belastungen, Suchtprävention und der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf.
- Betriebliche Gesundheitsförderung ist für Unternehmen jeder Größe geeignet, auch für kleine und mittelständische Unternehmen. Starten Sie mit einzelnen Angeboten, die sich i.d.R. nach einer gewissen Zeit und Kontinuität positiv auf das gesamte Betriebsklima auswirken und somit das Wohlbefinden der Mitarbeitenden im Betrieb erhöhen.
Was bringt es Ihrem Unternehmen?
- Die betriebliche Gesundheitsförderung verbessert das Betriebsklima, das wiederum die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden erhöht sowie die Bindung an das Unternehmen stärkt.
- Gesundheitsfördernde Angebote für Mitarbeitende verbessern das Unternehmensimage, das in Bezug auf das Recruiting attraktiv auf neue Mitarbeitende wirkt.
- Nach einer gewissen Zeit und Kontinuität verringern sich langfristig Fluktuationsrate und Krankheitsausfälle, die dadurch die Produktivität und Leistungsfähigkeit erhöhen.
Mit jedem investierten Euro können im Ergebnis 2,70 Euro durch reduzierte Fehlzeiten eingespart werden.
Quelle: AOK
Aufwand*
finanziell
- Mit ca. 100 bis 300 Euro im Jahr pro Mitarbeitende/m können Sie bereits ein gutes Einstiegsprogramm auf die Beine stellen
- Rechnen Sie mit Kosten, z.B. für externe Dienstleister, die Sie bei der Durchführung und Auswertung der Befragung unterstützen. Weiterhin entstehen ggf. Kosten, wie Raummiete für diverse Sportkurse oder Honorarkosten für Dozenten, die in Workshops mit fachlicher Expertise unterstützen
- Betriebliche Gesundheitsförderung wird auch steuerlich unterstützt. Der Freibetrag pro Mitarbeitende/m und Jahr liegt bei 600 Euro. Mehr Infos dazu finden Sie hier.
zeitlich
- Vorbereitung und Durchführung einer Mitarbeitendenbefragung, um mehr über deren Bedarfe und Wünsche in Bezug auf Gesundheitsförderung herauszufinden (ca. 16 Std.)
- Recherche nach Kooperationspartnern mit Vertragsabschluss (je Partner ca. 2-4 Std.)
- Planung/Organisation der Angebote (je Angebot ca. 3-6 Std.)
*Bitte beachten Sie, dass unsere Angaben zum Aufwand nur Schätzungen sind und stark variieren können, abhängig von verschiedenen Unternehmensparametern wie z.B. Größe, Branche, Ressourcenbedarf.
Gut zu wissen
- Die Gesundheitsförderung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist sehr umfangreich. Deshalb ist es empfehlenswert, sie als ein langfristiges und kontinuierliches Programm im Unternehmen zu integrieren. Ergänzen Sie nach und nach aufeinander aufbauende oder sich ergänzende Angebote aus unterschiedlichen Themenbereichen. Wir geben Ihnen hier einige Beispiele für einen niedrigschwelligen Einstieg.
- Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind zum betrieblichen Arbeitsschutz (siehe Arbeitsschutzgesetz) und zum betrieblichen Eingliederungsmanagement gesetzlich verpflichtet (siehe 167 Abs. II SGB IX). Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung sind hingegen freiwillig.
- Betriebliche Gesundheitsförderung wird auch steuerlich unterstützt. Der Freibetrag pro Mitarbeitende/m und Jahr liegt bei 600 Euro (§ 3 Nummer 34 Einkommensteuergesetz). Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber profitieren ebenfalls davon, denn sie müssen dafür keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Mehr Infos dazu finden Sie hier.
- Krankenkassen sind verpflichtet, Unternehmen mit Leistungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu unterstützen. Sie unterstützen meistens kostenlos bei den Befragungen der Mitarbeitenden, sodass Sie von viel Know-how in diesem Gebiet profitieren können. Die BGF-Koordinierungsstelle der gesetzlichen Krankenkassen berät jedes Unternehmen – unabhängig von Größe und Branche. Mehr Infos dazu finden Sie hier.
Vorschläge für einzelne niedrigschwellige Angebote
- Ernährung: Kochworkshops, Ernährungsvorträge, Sensibilisierung über das Einkaufsverhalten im Supermarkt
- Bewegung: Kurse zu Yoga, Pilates oder Rückengymnastik (Durchführung im Unternehmen, digital oder bei einem externen Partnern), Teilnahme am Firmenlauf, Bewegung in der Pause (von Mitarbeitenden für Mitarbeitende), Schrittzählung (als Unternehmenschallenge)
- Suchtprävention: Motivationsworkshop zur Raucherentwöhnung
- Stressprävention: Entspannungskurse, Vortrag über Burnout & Boreout, Achtsamkeitstraining, Meditation, Klangschalenentspannung, Massagen (mobile Massage, permanenter Massagestuhl)
- Personalentwicklung und Führung: Workshops, Seminare und Trainings über „gesundes führen“
- Büro: ergonomische Büroausstattung, wie höhenverstellbare Schreibtische, Swopper-Stühle, ergonomische Tastaturen und PC-Mäuse
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Je nach Unternehmensgröße ist es empfehlenswert, mindestens eine zuständige Person festzulegen. Bei Bedarf kann auch ein mehrköpfiges, betriebsinternes Team zusammengestellt werden. Schaffen Sie freie Zeitressourcen für involvierte Mitarbeitende. Binden Sie, wenn möglich, alle Mitarbeitenden von Anfang an mit ein, indem Sie Ihr Vorhaben transparent kommunizieren, z.B. in einer dafür vorgesehenen Auftaktveranstaltung.
Starten Sie eine Befragung unter allen Mitarbeitenden, ggf. mit Unterstützung eines externen Dienstleisters oder einer Krankenkasse. Achten Sie hierbei auf die Wahrung der absoluten Anonymität. Bestenfalls wiederholen Sie die Befragung 1x jährlich. Sie deckt Probleme hinsichtlich des körperlichen und psychischen Gesundheitszustands Ihrer Mitarbeitenden in Zusammenhang mit dem Arbeitsleben auf. Weiterhin zeigt sie auf, wo es Optimierungsbedarf gibt und macht Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf die Gesundheitsförderung im Betrieb der Mitarbeitenden sichtbar.
Beziehen Sie alle Ebenen im Unternehmen in die Befragung mit ein (z.B. Unternehmensleitung, Personalabteilung, Betriebsrat, Führungskräfte, Mitarbeitende, etc.). Die gemeinsame Entwicklung gesundheitsfördernder Angebote stärkt das Gemeinschaftsgefühl unter den Mitarbeitenden und zahlt auf eine positive Unternehmenskultur ein.
Analysieren Sie die Ergebnisse der Befragung bezüglich gesundheitlicher Herausforderungen Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Welche Angebote könnten unterstützen? Was sind die diesbezüglichen Vorstellungen und Wünsche der Mitarbeitenden? Legen Sie unter Berücksichtigung Ihrer Ressourcen fest, welche Angebote Sie umsetzen wollen. Setzen Sie sich konkrete, klare und bestenfalls messbare Ziele und legen Sie den Zeitrahmen fest, bis wann das Ziel erreicht werden soll.
Holen Sie sich ggf. Hilfe von Experten, z.B. Krankenkassen, die Sie mit Know-how unterstützen können (Mehr Infos dazu siehe Rubrik „Gut zu wissen“). Suchen Sie nach passenden Dienstleistern/Kooperationspartnern für Ihre Angebote, wenn möglich in direkter Umgebung Ihres Unternehmens, wie z.B. Fitnessstudio oder Praxis für Physiotherapie. Vernetzen Sie sich mit anderen Unternehmen, um Erfahrungen, Ideen und Tipps auszutauschen.
Planen Sie zusammen mit dem Dienstleister/Kooperationspartner die konkrete Durchführung der Angebote. Legen Sie fest, wann und wo Sie das Angebot den Mitarbeitenden anbieten wollen. Kann das Angebot digital, hybrid oder in Präsenz durchgeführt werden? Gibt es für die Teilnehmerzahl Mindest- oder Obergrenzen? Befinden sich im Gebäude die passenden Räumlichkeiten? Welche zusätzlichen Anforderungen sind nötig? Achten Sie auch darauf das Angebot nicht in den Ferienzeiten durchzuführen, damit möglichst viele Mitarbeitende das Angebot wahrnehmen können.
Informieren Sie Ihre Mitarbeitenden rechtzeitig über das Angebot, z.B. per Mail, Intranet oder im Rahmen eines hausweiten Meetings. Richten Sie eine (digitale) Anmeldemöglichkeit für die Teilnahme ein. Erinnern Sie ggf. Ihre Mitarbeitenden eine Woche und einen Tag vor Start des Angebots nochmal daran.
Fragen Sie mit Hilfe einer erneuten anonymen Umfrage das Feedback und die Zufriedenheit mit den Angeboten zur Gesundheitsförderung ab. Stellen Sie fest, ob Ihre Ziele erreicht wurden. Finden Sie heraus, warum Ihr Ziel z.B. nicht erreicht wurde. Überlegen Sie sich, auf Grundlage des Feedbacks und der Zielerreichung, ob Sie dieses Angebot wiederholen und auch ausbauen möchten.
Wer hat es schon gemacht?
„Der Krankenstand bei uns hat sich reduziert. Wir sind inzwischen bei 2,5-3%. Damals haben wir in 2006 mit 13 % angefangen. (…) 2007 haben wir das erste Mal Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt. Seitdem machen wir das alle zwei bis drei Jahre. (…) Aber das Eigentliche, was die Krankenquote beeinflusst: Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter. Dann sinkt die Krankenrate.“
Dr. Armin Seitz, Geschäftsführer
Moll Marzipan GmbH
Links und Dokumente/Musterverträge
Betrieblicher Arbeitsschutz:
Betriebliches Eingliederungsmanagement
Steuerliche Vorteile für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber:
Unterstützung durch Krankenkassen, Rentenversicherung und Unfallversicherung:
Koordinierungsstelle der gesetzlichen Krankenkassen für die betriebliche Gesundheitsförderung
Informationen der Deutschen Rentenversicherung über betrieblichen Gesundheitsschutz
Krankenkasse AOK zur betriebliche Gesundheitsförderung
Krankenkasse Barmer zur betriebliche Gesundheitsförderung
Techniker Krankenkasse zur betrieblichen Gesundheitsförderung
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